Thema Nr. 7

 

 

Die Teilnahme an und die Gestaltung von Standardisierungsprozessen

 

 

 

 

 

Referat im Rahmen des SBWL-Seminars

„MCommerce“

im Wintersemester 2000/01

 

 

 

eingereicht bei Prof. Dr. König

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Johann Wolfgang Goethe Universität

Frankfurt am Main

 

 

 

von

 

 

 

stud. rer. pol.  Uwe Mittelstaedt

 

 

 

 

Jakob-Altmaier-Str.39

 

63457 Hanau

 

Telefon: 06181 / 95 65 66

 

email: mittelst@stud.uni-frankfurt.de

       U.Mittelstaedt@t-online.de

 

 

Studienrichtung: Volkswirtschaftslehre, 9. Fachsemester

 

Matrikel-Nr. 141 6855

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Kapitel                                                                                            Seite

 

 

1. Mobile Kommunikation im Heute und Morgen                                1         

           

2. Geschichte der Standards in der Welt der mobilen                           1

    Kommunikation

 

   2.1 Standardisierungsorganisationen                                                 1

 

   2.2 Standardisierung im Bereich mobile Kommunikation                   3

 

   2.3 Die Zukunft von Standards in Bereich der mobilen                      4

         Kommunikation

 

3. Projekte und Standardisierungsversuche im Bereich                         4

    Mcommerce

 

4. Das mSign Consortium                                                                   7

 

5. Vor- und Nachteile der Etablierung von Standards                         10

 

 

Literaturverzeichnis                                                                           16

 

 


1. Mobile Kommunikation im Heute und Morgen

 

Wie man den Medien entnehmen kann, gehören Mobiltelefone immer mehr zum selbstverständlichen Utensil eines Menschen der industrialisierten Welt. Diese Behauptung zu bestätigen ist nicht schwer. Man braucht nur auf die Straße zu gehen und an jeder Ecke sieht man Menschen mit ihrem Handy telefonieren.

Durch diesen immer größeren Markt und durch den schnell voran-schreitenden technischen Fortschritt wird sich in naher Zukunft die Rolle des Mobiltelefons noch weiter verstärken. Bis Ende 2000 werden allein in Deutschland rund 40 Millionen Handybenutzer prognostiziert. Das Unernehmen Dataquest/EMC sagt voraus, dass im Jahre 2003 weltweit ca. 1.2 Milliarden Mobiltelefone in Benutzung sein werden.[1]

 Man wird mit dem Handy mannigfaltige Dienstleistungen, wie das Bezahlen in Geschäften und Taxis oder Online Brokerage, betreiben können.

Um das Wachstum des Marktes zu unterstützen und um keinen ruinösen Kampf der Unternehmen und deren zueinander inkompatiblen technischen Verfahren gegeneinander zu schaffen, ist es wichtig, Standards zu schaffen, die den technischen Erfordernissen genügen und eine sichere Basis für Konsumenten und Anbieter darstellen.

 

2. Geschichte der Standards in der Welt der mobilen Kommunikation

 

2.1 Standardisierungsorganisationen

 

Die Geschichte der Standardisierung in der Industrie geht weit zurück.

Wem sind nicht Standards wie DIN (Deutsche Industrie Norm) oder ISO (International Standardization Organisation) ein Begriff?

Im Wandel der IuK-Technologie hat das Thema Standardisierung immer mehr an Bedeutung gewonnen. Man denke hier nur an das Internet, das ohne Standards wie http, ftp, smtp etc. nie ein globaler Erfolg geworden wäre. Eine weltweite Vernetzung wäre aufgrund von Technologiebarrieren nicht möglich gewesen, nur regionale (länder- oder regionenspezifische) Netzwerke hätten sich gebildet.

Aber kommen wir zum Bereich Kommunikation.

Im folgenden sind Standardisierungsorganisationen, die eine bedeutende Rolle spielen, genannt:

die „traditionellen“ wie ITU (International Telecommunications Union, derzeit 189 Mitgliedsstaaten, 340 nationale und internationale Unternehmen als Mitglieder)[2] und ETSI (European Telecommunications Standards Institute), und die erst in den letzten Jahren entstandenen wie GSM MoU (Global System for Mobile Telecommunications of Understanding), WAP Forum, Mobile Data Iniative, Bluetooth Special Interest Group, GAA (GPRS Application Alliances) und das UMTS Forum.

Vor allem die jüngeren Organisationen arbeiten meist schneller und effizienter als ihre traditionellen Konterparts. Sie versuchen Quasistandards dadurch zu schaffen, dass sie die wichtigsten Unternehmen in sich versammeln.[3] Durch die Unterstützung eines neuen Standards durch diese mächtigen Konzerne sollen andere Mitspieler dazu gezwungen werden, dieselbe Technik zu unterstützen; also wird ein Standard durch pure Wettbewerbsvorteile (schnellere und breitere Marktpräsenz) durchgesetzt. Versuchen die Konkurrenten alternative inkompatible Wege zu beschreiten, droht ein ruinöser Technologiewettkampf, den nur die großen Unternehmen, die über ausreichende Marktmacht verfügen, überleben können und dem Verbraucher nur schaden. Dieser wird verunsichert, er weiß nicht, auf welchen Standard er setzen soll bzw. ob er mit dem Kauf eines Produkts nicht warten soll, bis der „Kampf“ der Systeme entschieden ist (Beispiel: Videostandards wie VHS, Beta und Video 2000 von denen nur VHS überlebt hat, obwohl es nicht das technisch beste war. Hier hat hauptsächlich die Marktmacht (Marketingmacht, Produktionskapazitäten etc.) der Unternehmen entschieden.

 

 

2.2 Standardisierung im Bereich mobile Kommunikation

 

Ein großer Schritt zur Standardisierung im Mobilfunksektor war die Einführung von GSM, der heute in Europa, in Asien und dem Pazifikraum herrschende Standard. Verabschiedet wurde dieser Standard von der GSM MoU (Global System for Mobile Telecommunications of Understanding). Durch ihn wurde erstmals das grenzüberschreitende Telefonieren per Mobilfunk innerhalb gesamt Europas möglich.[4]

Im Oktober des Jahres 1999 benutzten mehr als 50% aller Handybesitzer (215 Millionen) ein Mobiltelefon, das auf diesem Standard basiert. In Nordamerika gab es zu dieser Zeit nur etwa 5 Millionen GSM-Nutzer.[5]

In Europa ist GSM somit der Standard.

Die Etablierung dieses allgemeingültigen Standards hat dort die Entwicklung verschiedenster innovativer Lösungen und Dienstleistungen erst ökonomischer sinnvoll gemacht: „In Europe, the common GSM standard provides the critical mass to make it economically feasible to develop a large variety of innovative applications and services“.[6]

In neuerer Zeit hat sich ein neuer Standard durchgesetzt, genannt WAP (Wireless Application Protocol). Dieses Protokoll ist ein offener globaler Standard, der eine Weiterentwicklung von GSM darstellt. Er dient dazu, mobile Endgeräte mit dem Internet zu verbinden, um z.B. das Surfen im WWW zu ermöglichen.[7]

Dieser Standard wurde vom WAP-Forum verabschiedet. Dieses Forum besteht aus über 200 Mitgliedern verschiedener Unternehmen, die im Bereich Mobile Kommunikation tätig sind..[8] Da auch alle führenden Firmen Unterstützung dieses Standards angekündigt haben, kann man wirklich von einem weltweiten Standard sprechen.

 

 

 

2.3 Die Zukunft von Standards in Bereich der mobilen Kommunikation

 

Nun kündigt sich der nächste Wechsel in der Technologie an. Die European Telecommunications Standards Institute (ETSI) hat als erklärtes Ziel die Etablierung von Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) als neuer Weltstandard für mobile Telekommunikation.[9] Für Europa und Asien wird er dies wohl auch werden. Einzig die U.S.A. könnte auf einen anderen Standard setzen. Dies hat vor allem technische Hintergründe. Die nach dem International Mobile Telecommunications-2000 Standard für Mobilgeräte der 3. Generation vorgesehen Frequenzen stehen hier zum großen Teil nicht zur Verfügung. Die von der ITU vorgesehen Frequenzen für das europäische UMTS und die für Nordamerika vorgesehenen Ausweich-frequenzen werden hier hauptsächliche von staatlichen Organisationen belegt (Militär). Eine gemeinsame Nutzung sollte aber prinzipiell möglich sein, stellt aber hohe technische und organisatorische Anforderungen.[10] Hier ist schnelles Handeln für die U.S.A. erforderlich, wollen sie nicht in naher Zukunft im Bereich mobile Telekommunikation isoliert vom Rest der Welt dastehen.

UMTS als Standard stellt einen Meilenstein dar, da es der erste weltweit anerkannte Mobilfunkstandard ist.[11]

 

3. Projekte und Standardisierungsversuche im Bereich MCommerce

 

Es gibt heutzutage sehr viele Versuche, die neuen Möglichkeiten, die durch die immer größer werdende Verbreitung von Mobiltelefonen entstehen, zu nutzen. Hier seien einmal ein paar Beispiele genannt:

-         1999 hat die France Telecom in Zusammenarbeit mit der Groupement des Cartes Bancaires (CB) ein offenes Pilotprojekt gestartet, das Besitzern eines Motorola dual-slot StarTAC D handset die Möglichkeit bietet, Kreditkarten zum Bezahlen per Handy einzusetzen.[12] Weiter Dienste sollten später folgen.

-         Ein Pilotprojekt in Deutschland ist eine Kooperation zwischen Atos, der Stella AG und wiederum Motorola. Mit einem Dual Slot Handy von Motorola und einer Geldkarte ist das Erwerben von Musicaleintrittskarten per Mobiltelefon möglich.[13]

-         Im gleichen Jahr haben Visa, Nokia und Merita/Nordbanken ein ähnliches Projekt gestartet, dass auf dem SET Protokoll beruht.[14] 1996 wurde SET als Standard für sichere elektronische Transaktionen von den Kreditkartenfirmen VISA und MasterCard in Zusammenarbeit mit den Softwareherstellern Microsoft, Netscape und IBM geschaffen. Mit ihm ist es möglich, die Identität einer Person mit Sicherheit zu bestätigen und die Details einer Transaktion darzustellen.

-         Direkte Softwarelösungen für MCommerce werden z.B. von den Unternehmen More Magic Software und der Firma Brokat angeboten (Twister). Das System von Brokat nennt sich X-Pay, das die Integration von Online-Zahlungsmethoden in Geschäftsprozesse ermöglicht. Hierbei ist die Bezahlung mit Kreditkarte, Geldkarte etc. möglich. Lösungen, die auf X-Pay basieren, benutzten die von Brokat entwickelte Internetplattform Twister.[15]

-         Ein weitere Anbieter ist die Westameric Bank, die in Zusammenarbeit mit US Wireless Data (USWD) ein eigenes mobiles Verfahren zum Bezahlen entwickelt haben.[16]

-         Die Asia Mobile Electronic Services Alliance plant, in der 2. Hälfte des Jahres 2000 Smart Card Funktionalität mit Mobiltelefonen zu kombinieren, um dem Kunden verschiedene Dienstleistungen zu bieten. An dem Projekt sind die Singapore bank, Standard Chartered, Singapore Telecom, Smar-Tone (Hongkong), Nokia, Ericsson, Motorola und Gemplus. Das Testfeld beschränkt sich auf Singapur und Hong Kong.[17]

-         Ein Anbieter einer Mobile Commerce Plattform ist das Unternehmen Logica. Ihr „middlerware commerce server“ bietet ein Interface zwischen der Bank und dem Mobilfunkbetreiber, so dass Bezahlen per Handy möglich ist.[18]

-         Auch das Unternehmen HP (Hewlett Packard) bietet eine solche Lösung an. Die auf WAP basierende Technologie besteht aus spezieller Hardware und Software.

-         Im Bankensektor gibt es sehr viele properitäre Lösungen von sehr vielen Unternehmen, die meist nur auf ein spezielles Kreditinstitut zugeschnitten sind.

 

Wie man sieht, konkurrieren zur Zeit auf dem Markt für Mcommerce viele Unternehmen mit größtenteils enorm unterschiedlichen technischen und meist zueinander inkompatiblen Lösungen um die Gunst der Konsumenten. Jeder möchte der erste sein und somit versuchen, seine Lösung als Standard zu etablieren.

Nun stellt sich Unternehmen wie Verbrauchern die Frage, auf welche Produkte sie setzen sollen. Soll eine Firma wie Brokat, die Software-lösungen produziert für verschiedene Authentisierungs- und Bezahlungsstandards entwickeln und somit hohe Kosten in Kauf nehmen ?

Wird es einen heute als hoffnungsvoll erscheinenden Standard in einem halben Jahr noch geben ?

Soll also nur eine spezielle Lösung unterstützt werden ? Damit würde man sich aber voll und ganz in die Abhängigkeit vom Erfolg einer einzigen Lösung begeben, der vielleicht einmal Standard wird.

Was für Konsequenzen hätte es, wenn der Entwickler eines Standards, oder des Konsortium, das dahinter steht, einfach Teile der Spezifikation ändert ? Ohne an der Entwicklung und Verabschiedung des Standards beteiligt gewesen zu sein, hat man keinerlei Einfluss auf Details und Änderungen.

Dazu später mehr.

 

 

 

4. Das mSign Consortium

 

Die EU hat am 19. Januar 2000 eine neue Richtlinie über elektronische Signaturen verabschiedet. Eine fälschungssichere Online-Signatur wird darin der handschriftlichen Unterschrift  gleichgesetzt.

Wie bei jeder EU-Richtlinie müssen die Mitgliedsstaaten diese binnen 18 Monaten in nationales Recht umsetzen. Das bedeutet speziell für die Bundesrepublik eine Anpassung des Signaturgesetzes von 1997. [19]

Am 17. Oktober 2000 hat das bereits im Dezember 1999 von führenden Unternehmen aus dem Mobilfunk- und Informationstechnologiemarkt (Siemens, E-Plus Mobilfunk, Mannesmann Mobilfunk, T-Mobil, VIAG Interkom, Smartkarthersteller Schlumberger und Gemplus, T-Telesec Trust Center der Deutschen Telekom, cv cryptovision und Brokat AG)[20] gegründete  Mobile Electronic Signature Consortium (mSign Consortium) eine erste Version einer Standard-Schnittstelle verabschiedet. Diese ermöglicht es, „...mit dem Handy die Wertschöpfungskette im Electronic Business zu schließen.“[21] Hierbei bildet die mobile digitale Signatur die Grundlage.[22] Hierauf wir im späteren Verlauf noch eingegangen.

Zum mSign Consortium:

Es wurde mit dem Ziel gegründet, die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Akteuren im Bereich des Mobile- und Electronic-Commerce zu standardisieren.[23]

Dabei sollen nicht nur technische Standards sondern auch betriebswirtschaftliche Lösungen entworfen werden, die automatisiert ablaufen können. Dadurch soll eine standardisierte Kommunikation zwischen Finanzdienstleistern, Shops, Lotterien und vielen anderen E-Commerce-Anbietern (untereinander und) mit dem Endkunden ermöglicht werden.[24]

Es „.... erkennen immer mehr Unternehmen die Notwendigkeit, gemeinsame Standards zu definieren, um die Wertschöpfungskette im E-Business zu schließen“[25]

Heute ist das mSign Consortium eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Gremium zum Spezifizieren eines allgemeinen Standards. Es besitzt heute 35 Mitglieder:

Advance Bank

Bank of Tokyo-Mitsubishi Ltd.

Brokat AG

Cable & Wireless HKT

Carticom Corporation

Credit Agricole Indosuiez Luxembourg

cv cryptovision GmbH

DeTeMobil Deutsche Telekom MobilNet GmbH

Deutsche Telekom/Produktzentrum TeleSec, D-Trust GmbH, E-Plus Mobilfunk GmbH

EXCELSIS Informationssysteme GmbH

fun communications GmbH

Gemplus GmbH, Hewlett-Packard GmbH

Hypo Vereinsbank

IIS/GlobalSign Greece SA

InterCard POS – Service GmbH,

ITFinity Solutions

Mannesmann Mobilfunk GmbH

Mitsubishi Electric Corporation

MyAlert.com

NSE Software AG

ORGA Kartensysteme GmbH

PAGO eTransaction Services GmbH & Co. KG

payitmobile AG i.G.

RCM Technologies (Operational Headquarter)

Schlumberger

Siemens AG, ICP CD M EBO

SONERA SMARTTRUST GmbH

TC TrustCenter GmbH

VIAG Interkom GmbH & Co.

WAYS INDIA Ltd. und West LB[26]

Diese Unternehmen haben sich zu einer Zusammenarbeit entschlossen, um in den Bereichen Mobile- und E-Commerce eine sichere Technologiebasis zu besitzen. So wird es jedem Anbieter möglich, sich voll und ganz auf einen allgemeinen Standard zu verlassen.

Die Gefahr, auf eine Technologie zu setzen, die vielleicht sogar vorteilhafter für ein in diesem Geschäftsfeld tätigen Unternehmens sei, die sich aber am Markt nicht durchsetzen kann z.B. aufgrund von mangelnder Unterstützung seitens anderer Anbieter, wird in starkem Masse verringert.

In diesem neuen Standard ist u.a. geregelt, wie die Identifizierung des Benutzers mit Hilfe der sogenannten „digitalen Signatur“ technisch zu gestalten ist (z.B. per Handy). Sie ist eine fälschungssichere Unterschrift. Man kann also die klassische Unterschrift mit Papier und Füller vollständig ersetzen.[27] Derzeit wird die Möglichkeit, digital zu Unterschreiben jedoch noch nicht in sehr großem Maße genutzt. Hierfür werden hauptsächlich 2 Gründe genannt:

  1. fehlende flächendeckende Infrastruktur
  2. Mangel an nationalem und internationalem Standard für Treibersoftware (Protokolle etc.)[28]

Um die Missstände zu beseitigen und das Vertrauen in die neue digitale Signatur zu stärken, wird der Aspekt Sicherheit, um Missbrauch auszuschließen, besondere Beachtung geschenkt.. Die digitale Signatur „...basiert auf einem streng geregeltem Austausch stark verschlüsselter digitaler Zahlenkombinationen.“.[29] Das dazu gehörige Protokoll, also das Bindeglied zwischen E-Commerce-Anbieter und dem jeweiligen Mobilfunkanbieter, definiert genau, wie der Prozess der Authentifizierung und die Autorisierung zwischen den Marktteilnehmern technisch geregelt wird.[30]

Das Interface erlaubt eine Verteilung der notwendigen Rollen auf die verschiedenen Marktteilnehmer: die Authentifizierung, die Autorisierung, die Datenhaltung und die Zertifizierung. Die Authentifizierung identifiziert den Marktteilnehmer und stellt sicher, dass er der ist, für den er sich ausgiebt. Durch die Autorisierung werden dem Teilnehmer Rechte, bestimmte Dienstleistungen zu nutzen, eingeräumt. Die signierten Dokumente werden gespeichert, so dass eine Rückverfolgung jederzeit möglich ist. Eine weitere Rolle nimmt die Certification Authority (CA) ein, die den öffentlichen Schlüssel des Kunden zertifiziert. In dieser Rolle werden sich vor allem Banken und Mobilfunkanbieter wiederfinden. Jede dieser vier Rollen kann unter den Marktteilnehmern beliebig ausgetauscht werden (sofern dies Sinn macht). Hier soll nur die Flexibilität des Standard-Protokolls demonstriert werden.[31]

Die hohen Kosten der Mobilfunkanbieter für die UMTS-Lizenzen (vor allem in Deutschland) müssen sich amortisieren, will die Branche nicht vor Investitionsruinen stehen. Dabei werden sehr große Hoffnungen in die Erschließung von neuen Geschäftsmodellen gesetzt, die erst durch die Möglichkeiten, die die digitale Signatur als ein (weltweiter) Standard bietet (s.o.), ermöglicht werden.[32]

 

5. Vor- und Nachteile der Etablierung von Standards

 

Hier kommt wieder die Bedeutung von Standards ins Spiel.

Standards bieten mannigfaltige Vorteile. Um so größer ihr „Wirkungsbereich“, d.h. z.B. die territoriale Bedeutung oder der Akzeptanzgrad innerhalb einer Branche, um so größer sind die positiven Wirkungen auf Produzenten und Konsumenten. Regionale bzw. globale anerkannte Standards bieten folgende Vorteile:

 

1.           Die Kosten für den Aufbau der Infrastruktur, für die Anwendungs- und (End-)Geräteentwicklung werden gesenkt, da die unterschiedlichen Absatzmärkte mit einheitlichen Produkten versorgt werden können (zumindest die Basistechnologie ist gleich). Weiterhin kommt hinzu, dass durch die weltweite Akzeptanz der Standards die Absatzmärkte dementsprechend global sind. Hier können also Größenvorteile ausgenutzt werden (economies of scale).[33]

2.           Speziell im Bereich Mobilfunk ergibt sich hier der Vorteil darin, dass grenzüberschreitendes (bei einem Weltstandard globales) Telefonieren (bei GSM genannt Roaming) und der Einsatz der neuen Dienstleistungsangebote ermöglicht wird.[34]

3.           Wettbewerbsvielfalt, da sich nun auch viele kleinere Unternehmen am Markt beteiligen können, da die Risiken, auf eine Lösung zu setzten, die sich am Markt nicht behaupten kann, verschwindend gering sind (nicht vorhanden). Außerdem wird internationaler Wettbewerb erleichtert (Globalisierung) (siehe Punkt 1).[35]

4.           Höhere Innovationsgeschwindigkeit.[36] Diese ergibt sich aus der Tatsache, dass nun eine viel höhere Anzahl an Unternehmen an der Entwicklung neuer Produkte, die auf einem einzigen Standard beruhen, beteiligt sind und somit die Vielfalt der Produkte schnell zunimmt. Bei gleichzeitig existierenden unterschiedlichen Standards werden die Entwicklungskapazitäten aufgeteilt. Entweder wird für mehrere Standards entwickelt, was einen höheren Verbrauch an Ressourcen zur Folge hat, oder es wird sich auf einzelne, wenn nicht gar auf einen einzigen Standard konzentriert. Hierbei besteht natürlich wieder die Gefahr, für einen Standard zu entwickeln, der es nicht vermag, sich am Markt durchzusetzen. Auch existier für ein neues Produkt eine Basis, d.h. eine Grundkomponente, der spezielle „Basisstandard“, ist vorgegeben. So wird bei der Entwicklung Zeit und somit Geld gespart.

Durch einen allgemeingültigen Standard entsteht auch ein größerer Konkurrenzdruck, was dem Endverbraucher zu gute kommt.

5.           Interoperabilität verschiedener Plattformen und Endgeräte werden ermöglicht. Über das PDA oder über das Mobiltelefon können u.a.Internetdienste genutzt und die Daten problemlos ausgetauscht werden.[37]

6.           Es wird möglich, verschiedene Formate in einem einzigen Netz zu übertragen.[38] Im Internet ist es z.B. dank standardisierter Protokolle und Sprachen (Java) möglich, Bilder, Töne, Texte etc. zu übertragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Endnutzer vor einem IBM-kompatiblen PC oder vor einem I-Mac von Apple sitzt.

 

Natürlich können Standards auch nachteilig für bestimmte Marktteilnehmer sein:

 

1.           Properitäre Lösungen sind immer besser auf das eigene Geschäftsmodell und die eigene Technik zugeschnitten.

2.           Hat ein Anbieter (oder auch ein Anwender) schon einen andere Technik verwendet als die, die in einem neuen Standard verabschiedet wird, so muß er umrüsten (Software und/oder Hardware), was teilweise mit erheblichen Kosten verbunden sein kann (Wechselkosten).

3.           Hat ein Anbieter so viel Marktanteile, dass er einen bestimmten Markt dominiert, so kann es sinnvoll sein, einen von ihm geschaffenen (eventuell überlegenen) Standard nicht als einen offenen Standard zu behandeln, sondern seine Konkurrenten zu zwingen, z.B. Lizenzgebühren für die Nutzung zu zahlen. Möchten sie weiterhin am Markt konkurrieren, werden sie darauf eingehen müssen oder mit einem enormen Ressourcenaufwand um den Markteintritt kämpfen.

Oder er verweigert seinen Konkurrenten komplett die Partizipation an seinem Standard. Dies könnte bei dominierender Marktmacht zu Verdrängung der Konkurrenz führen.

4.           Innovationsgeschwindigkeit sinkt (Gegenteil zu Punkt 4 bei den Vorteilen).

Dadurch, dass Weiterentwicklungen immer zum Standard konform sein müssen und die Abwärtskompatibilität gewährt sein muß, sind den technischen Innovationen Grenzen gezogen.

Auch kann eine enorme Zeitspanne zwischen Gründung einer Standardisierungskonsortiums und der tatsächlichen Verabschiedung eines Standards liegen.

Um so mehr Teilnehmer ein Zusammenschluß besitzt, um so größer ist zwar später die Akzeptanz des neudefinierten Standards, aber um so schwieriger ist auch die Konsensfindung (und die allgemeine Organisation).

Aber im allgemeinen ist bei den neueren Standardisierungs-organisationen eine Steigerung der Innovationsgeschwindigkeit der Fall.

5.           Mit einer Eigenentwicklung ist ein Unternehmen unter Umständen schneller auf dem Markt, als wenn es auf einen Standard, der von vielen verschiedenen Unternehmen, die erst einen Konsens finden müssen, verabschiedet wird, warten muß. So könnte der Vorteil der schnelleren Marktpräsenz ausgenutzt werden (auch zum eventuellen Etablieren eines eigen Standards).

Bei einem allgemeingültigen Standard ist der Konkurrenzdruck wesentlich höher, was Gewinneinbußen durch niedrigere Preise zur Folge haben kann.

6.           Ein existierender Standard bietet vielleicht nicht die Funktionen, die ein Unternehmen für die Umstellung ihres Produktes auf diesen Standard benötigt. War ein Unternehmen nicht an der Gestaltung des Standards beteiligt, so blieben eventuelle bestimmte (technische) Teilaspekte, die nur für diese eine Firma von Bedeutung sind, unberücksichtigt und das Produkt lässt sich nicht oder nur schwer in Einklang mit dem Standard bringen. Dies hätte entweder eine Abkehr vom Standard zu einer anderen, vielleicht eigenen Lösung zur Folge oder eine Neukonzeption des Produkts würde erforderlich sein, was wiederum mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Wodurch wieder eine zeitliche Verzögerung die Konsequenz wäre. Diese würde den Konkurrenten einen Vorsprung einbringen.

 

Ein Unternehmen muß immer abwägen, ob es sich für es (finanziell und strategisch) lohnt, Mitglied in einer Standardisierungsorganisation zu sein.

Natürlich kostet die Teilnahme immer Ressourcen: Personal muß für die Organisation abgestellt werden, Kompromisse müssen eingegangen werden, möglicherweise Forschungsmittel aufgewendet werden. Auch verstreicht (kostbare) Zeit.

Auf der anderen Seite sind (offene) Standards für die meisten Marktteilnehmer ein Segen (siehe Vorteile). Das Risiko, Investitionen zu verlieren, weil man sich für eine falsche Technologie entschieden hat, wird stark reduziert (je nach Gewicht der Marktmacht der am neuen Standard beteiligten Firmen, d.h. dem wahrscheinlichen Akzeptanzgrad des neuen Standards). Durch die Akzeptanz beim Verbraucher wird die Größe des Absatzmarktes erweitert und Investitionen können sich so schneller amortisieren.

Außerdem erhält so eine Firma die Möglichkeit, bei der Gestaltung eines Standards aktiv mitzuwirken, und somit die Gelegenheit, ihn in der Weise zu Formen, dass die eigenen Interessen (z.B. technische) berücksichtigt werden. Also stellt die Teilnahme eine Investition in die Zukunft dar.

Wie man sieht, beschränken sich die Aktivitäten der (großen) Unternehmen nicht nur auf eine einzelnes Standardisierungsprojekt. Oft sind sie oder mit ihnen verbundene Firmen (z.B. Tochterunternehmen) an mehreren Projekten gleichzeitig beteiligt.

Daraus kann man 2 Schlussfolgerungen ziehen:

1.           Es herrscht hohe Unsicherheit über den Markterfolg bestimmter Standards

2.           Die Unternehmen haben die Wichtigkeit erkannt, bei der Gestaltung eines neuen Standards beteiligt zu sein, um 1. den Anschluss nicht zu verpassen und 2. seine eigenen Vorstellungen und Anforderungen einzubringen.

Vor allem in neuen aufstrebenden Märkten, wie Mcommerce, ist also eine Teilnahme and Standardisierungsorganisationen eine wichtige Investition in die Zukunft. Die Grundsteine für späteren Markterfolg werden heutzutage gelegt. Wer an dem Zukunftsmarkt partizipieren möchte, muß jetzt schon präsent sein und versuchen, seine Vorstellungen miteinzubringen.


Literaturverzeichnis

 

www.brokat.com : applikations.pdf

 

 www.durlacher.com : mcomreport.pdf

 

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 http://www.itu.int/cgi-bin/htsh/mm/scripts/mm.list?_search=ITUstates&_languageid=1

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www.mobilmedia.net/wap.htm

 

www.msign.org  : digitale Signaturen.pdf

 

www.msign.org : conortium.pdf

 

www.msign.org : mobile commerce.pdf

 

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Shaw, Michael: „Handbook on Electronic Commerce“

Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

 

www.techweb.com :

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Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“

Verlag Franz Vahlen GmbH, München 2000



[1] vergl. www.msign.org mobile commerce.pdf  S. 1

[2] vergl. http://www.itu.int/cgi-bin/htsh/mm/scripts/mm.list?_search=SEC&_languageid=1

     http://www.itu.int/cgi-bin/htsh/mm/scripts/mm.list?_search=ITUstates&_languageid=1

[3] vergl. www.durlacher.com

[4] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S. 39

[5] vergl. www.durlacher.com mcomreport.pdf S. 19

[6] www.durlacher.com mcomreport.pdf S. 19

[7] vergl. http://www.mobilmedia.net/wap.htm

[8] Siehe www.durlacher.com mcomreport.pdf S.23

[9] vergl. www.techweb.com http://www.techweb.com/news/story/TWB19980202S0004 S.1

[10] vergl. www.heise.de/newsticker/data/chr-17.11.00-000/

[11] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.40

[12] vergl. www.brokat.com applikations.pdf S.15

[13] vergl. http://multimedia.hightext.de/ibot/db/9497743221975180257n1.html S.1

[14] vergl. www.brokat.com applikations.pdf S.15

[15] vergl. Shaw, Michael: „Handbook on Electronic Commerce“ S.283

[16] vergl. www.brokat.com applikations.pdf S.15

[17] vergl. www.brokat.com applikations.pdf  S.19

[18] vergl. www.durlacher.com mcomreport.pdf S.25

[19] vergl. www.msign.org digitale signale signaturen.pdf  S.2

[20] vergl. www.msign.org/content/press.html S.1

[21] www.msign.org interface standard.pdf  S. 1

[22] www.msign.org interface standard.pdf  S. 1

[23] vergl. www.msign.org consortium.pdf S.1

[24] vergl. www.msign.org digitale signaturen.pdf  S. 3

[25] www.brokat.com applikations.pdf  S. 3

[26] vergl. www.msign.org interface standard.pdf  S.4

[27] vergl. www.msign.org digitale signaturen.pdf  S.1

[28] vergl. www.msign.org digitale signaturen.pdf  S1-S2

[29] www.msign.org interface standard.pdf  S. 1

[30] vergl. www.msign.org interface standard.pdf  S.1

[31] vergl. www.msign.org interface standard.pdf  S. 1-2

[32] vergl. www.msign.org digitale signaturen.pdf  S.1

[33] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.39

[34] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.40

    vergl. www.msign.org digitale signaturen.pdf  S.1

[35] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.40

[36] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.40

[37] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.40

[38] vergl. Wamser, Christoph: „Electronik Commerce: Grundlagen und Perspektiven“ S.40